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Hände mit Stift und Papier

Miktionsprotokoll – das etwas andere Tagebuch

Das Miktionsprotokoll (auch. Miktionstagebuch, Blasentagebuch, Toilettentagebuch) ist eine wichtige Hilfe für den Arzt.

Es gibt einen guten Überblick über das Trink- und Ausscheidungsverhalten und trägt dazu bei, die richtige Form der Inkontinenz zu ermitteln und somit die richtige Behandlung einzuleiten.

Grundsätzlich unterscheidet man zwei Hauptursachen für eine Harninkontinenz, die einzeln oder zusammen als Mischinkontinenz auftreten können.

1. Harnbelastungsinkontinenz

Infolge einer Schwäche des Blasenschließmuskels geht Urin unkontrolliert bei körperlichen Belastungen wie Heben, Tragen, Bewegungen oder beim Sport, aber auch beim Niesen, Husten oder Lachen ab.

Diese Form der Inkontinenz kommt vor allem bei Frauen infolge Schwächung der Muskulatur nach Schwangerschaften und Geburten vor.

Durch ein aktives Beckenbodentraining, Elektrotherapieverfahren, Medikamente oder auch eine operative Unterstützung des Schließmuskels kann die Belastungsinkontinenzerfolgreich behandelt werden.

2. Harndranginkontinenz

Kommt es infolge eines ständigen Harndranges zu häufigem Wasserlassen oder gar zum dranghaften Urinverlust, liegt die Störung in der Blase selbst und nicht im Schließmuskel. Diese Blasenstörung, die typisch für das höhere Alter ist, kann durch eine Überaktivität des Blasenmuskels, aber auch durch Blasenentzündungen, Tumore oder neurologische Erkrankungen hervorgerufen werden.

Durch ein Blasentraining, mit die Blase dämpfenden Medikamenten und verschiedenen Elektrotherapieverfahren lässt sich die überaktive Blase sehr gut behandeln.

Das Miktionsprotokoll sollte über ca. 3 Tage geführt werden und folgende uhrzeitbezogene Angaben enthalten:

  • Flüssigkeitsaufnahme (Art und Menge des Getränkes)
  • Urin-Ausscheidungsmenge (z.B. mit Hilfe eines Messbechers)
  • Harndrang
  • ungewollter Urinverlust (ggf. notieren, ob nur Tröpfchen oder größere Mengen)
  • mögliche Ursachen (Gründe) für den ungewollten Urinverlust

Sollten Sie schon Inkontinenzprodukte benutzen und Ihr Arzt benötigt exakte Angaben über die Menge des ungewollten Urinverlustes, gehen Sie bitte wie folgt vor:

  • wiegen Sie das Inkontinenzprodukt vor dem Anlegen (handelsübliche Haushaltswaage) und notieren Sie das Gewicht auf dem Miktionsprotokoll
  • nach einem Wechsel des Inkontinenzproduktes legen Sie das getragene Produkt in eine Mülltüte, wiegen es wieder und notieren das Gewicht ebenfalls im Miktionsprotokoll

Durch die Differenzberechnung ergibt sich die Menge des ungewollten Urinverlustes. Der Kontinenz-Fragebogen der Deutschen Kontinenz Gesellschaft kann zusätzlich zum Miktionsprotokoll geführt werden:

Wie oft kommt es bei Ihnen zu unwillkürlichem Urinverlust?

  • Nie
  • Einmal pro Woche oder seltener
  • Zwei- bis dreimal pro Woche
  • Einmal täglich
  • Mehrmals täglich
  • Ständig

Wie hoch ist der Urinverlust?

  • Kein Urinverlust
  • Eine geringe Menge
  • Eine mittelgroße Menge
  • Eine große Menge

Wie stark ist Ihr Leben durch den Urinverlust beeinträchtigt?

  • 0
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • gar nicht stark

Wann kommt es zu Urinverlust?

  • Zu keiner Zeit
  • Bevor Sie die Toilette erreichen können
  • Beim Husten, Niesen, Laufen usw.
  • Im Schlaf
  • Bei körperlicher Anstrengung und Sport
  • Nach dem Wasserlassen
  • Aus keinem ersichtlichen Grund
  • Urinverlust tritt ständig auf

Warum wird ein Miktionsprotokoll auch vom Vertragspartner der Krankenkassen (Versorger) angefordert?

Wir als Versorger haben die Aufgabe, wirtschaftlich, zweckmäßig und medizinisch notwendig zu versorgen. Oft sind die Angaben auf dem Rezept über Produktart und Produktanzahl aber nicht ausreichend oder unvollständig.

Mit Hilfe eines Miktionsprotokolls können wir Sie individuell versorgen, da es uns Aufschluss über die 4 W´s gibt

  • Welches Produkt?
  • Welche Größe?
  • Welche Saugstärke?
  • Welche Anzahl?

So gewährleisten wir eine an Ihre Bedürfnisse angepasste Versorgung. Ihre Mithilfe ist also von großer Bedeutung.

Haben Sie bereits Erfahrungen mit einem Miktionsprotokoll gesammelt? Dann berichten Sie uns und den Blog-Lesern gerne (anonym) von diesen unten in den Kommentaren!